Wer es kauft, wird selig
oder
Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb. 1,18)
Wer es leichter und sofort haben will, benutzt das Parfüm Calvin Kleins: »Eternity«. Ewigkeit hautnah.
Die Fragen und die Angst, die uns treiben, sind bei allen Menschen gleich. Die Angst vor dem Tod und das Bedürfnis Übersinnliches sinnlich (be)greifen zu können, liegt in der Natur des Menschen.
Es geht ums Ganze, um den Kern menschlichen Daseins schlechthin. Geboren werden und Sterben sind Eckdaten jeden Lebens. Der Frage nach dem Sinn, nach dem »Woher und Wohin« kann letztlich keine und keiner ausweichen. Früher oder später verlangt sie nach einer Antwort.
Allein die Antwort fällt unterschiedlich aus. Während die Werbung - durch den Kauf eines entsprechenden Parfüms - Ewigkeit sofort verspricht, bietet die christliche Religion seit 2 000 Jahren harte Kost an, fordert Verzicht und Rücksichtnahme, verbindet Vergangenheit und Zukunft.
Christus, der gekreuzigt und gestorben ist, der hinab gefahren ist in das Reich des Todes, um am dritten Tage wieder aufzuerstehen von den Toten und sich zur rechten Gottes, des Allmächtigen gesetzt hat, hat so dem Tod die Macht genommen.
Übersinnliches wird so begreifbar: Die Schlüssel für die Pforte des Totenreiches hält der Auferstandene persönlich in seinen Händen. Vertraue ich mich ihm an, bin ich gerettet trotz Hölle und Tod.
Worin liegt der Unterschied zwischen dem Kauf eines Produktes und dem Glauben an die Auferstehung Christi?
Durch den Kauf von Waren, werden Sehnsüchte und Bedürfnisse sofort gestillt. Also: Der Liebe meiner Katze kann ich gewiss sein, wenn ich Sheba kaufe. Oder: Von Gefühlen muss ich nicht länger abhängig sein, ich kann sie steuern in der C-Klasse von Mercedes. Oder: Der Mensch schafft ein Paradies auf Erden, indem er die Jeans von Otto Kern trägt. Die Werbung verspricht beim Konsum bestimmter Produkte Befriedigung ungestillter Sehnsüchte. Das Produkt bzw. die Werbung bietet demzufolge Lebenshilfe pur. Der Mensch als Konsument verhält sich dazu, indem er es kauft. Kaufen wird so zum Bekenntnisakt. Es ist längst nicht mehr egal, welchen Wagen wir fahren, welche Kleidung wir tragen, welches Parfüm wir benutzen, womit wir unsere Wäsche waschen und was wir unseren Gästen vorsetzen.
Wer es kauft, wird selig.
Der scheinbare Vorteil liegt auf der Hand. Ich kaufe, also bin ich. Und unversehens ist der Mensch selbst zum Objekt verborgener Mächte (Mächtiger) geworden, hat seine Subjektivität (Seele) auf diese Weise verkauft. Ziel ist es fortan, genügend Geld zur Verfügung zu haben, um nie mehr bedürftig und unbefriedigt zu bleiben.
Christliche Botschaft dagegen ist unverkäuflich, gratis und verspricht Heil und Erlösung nicht unmittelbar. Ihre Gestalt ist unscheinbar und wirkt eher abschreckend. Sie ist anstrengend, weil sie den ganzen Menschen fordert, weil sie Rücksicht und Verantwortung für andere/anderes verlangt. Sie bewahrt nicht vor Schmerz und Leid....
Was macht die christliche Botschaft dennoch so attraktiv? Warum gibt es auch heute noch Menschen, die an eine göttliche Kraft glauben? Menschen, die sich trotz harter Kost dem Traditionellen zu wenden?
Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb. 1,18)
Das Besondere christlichen Glaubens ist seine Lebendigkeit, die alle Seiten des Lebens kennt und bewahrt und nicht verleugnen muss. Eine Lebendigkeit, die um ihre Vergänglichkeit weiß. Starkes und Schwaches, Gesundes und Krankes, Versuchte und Versuchende, ... haben hier ihren Raum. Christlicher Glaube lebt in Beziehung, stiftet Gemeinschaft, die Schwaches stärkt und Überheblichkeit aushält usw.
Günter Törner
„Es ist so!“
Wenn es ein „deutsches Buch“ gibt, dann sind das die „Buddenbrooks“ von Thomas Mann (1875 – 1955), gerade im Kino. Die Geschichte einer Familie, die allmählich zerfällt. Das Schönste am Buch ist der Schluss. Da sitzen ein paar Menschen um den Familientisch. Gerade ist Hanno, der letzte männliche Buddenbrook, jung gestorben. Alle klagen sich ihr Leid. So viele Todesfälle, so viel Zerfall, sagen sie. Wo ist da Gottes Güte? Wenn es doch wenigstens ein Wiedersehen gäbe mit all den geliebten Toten – Vater, Großvater und den Anderen. Da steht die kleine Frau Weichbrodt auf, stellt sich auf die Zehenspitzen und sagt wie eine begeisterte Propheten: „Es ist so!“ Es gibt ein Wiedersehen. Und dabei bebt sie vor Überzeugung.
Es ist so! Mehr muss ich dazu gar nicht sagen. Ich kenne Familien oder Einzelne, die nur noch traurig sind über die Toten der letzten Zeit. Manche sehen für sich keine Zukunft mehr. Die Zeit heilt eben längst nicht alle Wunden. Manche Wunden werden sogar größer, je mehr Zeit vergeht. Manche Toten fehlen einem immer mehr, je länger sie fort sind. Man möchte ihnen noch so viel erzählen. Wenn es wenigstens ein Wiedersehen gäbe …
Es ist so!, sage auch ich jetzt voller Überzeugung. Gott hat es versprochen. Eines Tages wird Gott sagen: Kommt wieder, Menschenkinder (Altes Testament, Psalm 90, Vers 3). Dann werden uns die Augen auf und übergehen vor Freude. Wir werden sie wiedersehen, die Männer und Frauen, die Väter und Mütter, die Söhne, Töchter und Enkel – eben alle, die wir begraben mussten und die uns fehlen. So ist es! Dann werden wir uns in die Arme nehmen und alles, alles erzählen. Freudentränen werden fließen. Der Schmerz ist endgültig vorbei. Freuen Sie sich heute schon darauf. Dann wird das Leben viel leichter. ´
Michael Becker
Warten lohnt nicht
Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Zu Israel und zum Nahen Osten fällt mir nichts mehr ein. Erst Raketen, jetzt Bomben. Tote auf allen Seiten. Niemand kann mehr zählen, wie oft die Parteien schon aufeinander geschossen haben. Jeder provoziert jeden - bis es Tote gibt. Dann aber will niemand mehr etwas getan haben und alle sind nur noch Opfer. Und das schon seit Jahrzehnten.
Wie teuer ist Friede eigentlich? Das ist die Frage. Ich nehme fest an, dass alle im Nahen Osten Frieden wollen. Aber zu welchem Preis? Vermutlich nur zum eigenen Preis. Möglichst billig soll der Friede sein - für die eigene Seite. Nur für die anderen soll er teuer werden. So geht das aber nicht. So gibt es nie Frieden, übrigens auch bei mir Zuhause nicht. Der Friede ist kein Schnäppchen, sonst ist der nächste Streit schon vor der Tür. Frieden ist viel teurer. Beide müssen bezahlen. Frieden kostet richtig viel Vernunft auf beiden Seiten. Das sehe ich aber nicht im Nahen Osten. Ich sehe Provokation und Waffen und Tote, aber wenig ehrliche Vernunft. Darum fällt mir nichts mehr ein.
Und was machen wir nun, wenn Raketen und Bomben fliegen und die Nachrichten uns Schreckensbilder zeigen? Wir falten die Hände, natürlich. Wir machen das, was wir können. Wir bitten Gott für die Menschen im Heiligen Land. Für Israelis, für Palästinenser. Es soll einer aufstehen, auf jeder Seite. Der soll den Geist des Friedens haben und alle zur Vernunft rufen. Aber nicht nur rufen. Er soll auch sagen, was seine Seite selber für den Frieden bezahlen will. Der Preis wird richtig hoch sein. Auf beiden Seiten. Vernunft wird immer teurer, je länger man damit wartet.
Michael Becker
Neujahr
Mal angenommen, Sie könnten das neue Jahr selber machen. Jeden Tag könnten Sie alleine planen, jedes Ereignis könnten Sie selber bestimmen. Sie könnten heute schon festlegen, was sie am 3. Mai oder am 11. Oktober machen werden. Würden Sie das gerne machen?
Das hat sich der Dichter Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) gefragt. Er war ein lustiger und oft auch sehr trauriger Mann: Seefahrer, Sänger, Dichter, Maler – von allem etwas. Bis ihm die Nazis verboten haben, öffentlich aufzutreten. Da wurde er krank und starb bald. Als er aber noch fröhlicher war, hat er sich das mal gefragt: Was würde ich tun, wenn ich das ganze neue Jahr selber machen könnte? Und hat dazu dann dieses Gedicht* geschrieben:
Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich
Die ersten Nächte schlaflos verbringen
Und darauf tagelang ängstlich und kleinlich
Ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.
Dann aber – hoffentlich – laut lachen
Und endlich den lieben Gott abends leise
Bitten, doch wieder nach seiner Weise
Das neue Jahr göttlich selber zu machen.
Das wäre bei mir genauso, glaube ich. Erst wäre ich aufgeregt, was ich alles selber machen könnte. Aber nach ein paar Tagen wäre ich erschöpft und könnte mich für nichts mehr entscheiden. Da will ich lieber ruhig schlafen und sagen: Ach Gott, mach du bitte alles. Lieber vertraue ich dir.
Ein gesegnetes neues Jahr Ihnen allen.
Michael Becker
Maria sagt Ja
Maria ist Jüdin und etwa 17 Jahre alt. Da kommt der Engel Gabriel zu ihr und sagt: Du wirst ein Kind zur Welt bringen, das Kind des Höchsten. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Maria ist fassungslos. Josef ebenso. Der hatte sich sein Leben ganz anders vorgestellt. Josef hat einen ordentlichen Beruf und eine tüchtige Verlobte. So kann das Leben gelingen. Doch nun kommt es anders. Maria ist schwanger. Josef ist verstört. Was soll nun werden?
Josef läuft nicht weg. Das ist die erste Überraschung. Und als Maria sich von ihrem Schrecken erholt hat, sagt sie deutlich „Ja“ zu ihrem Schicksal. Das ist die zweite Überraschung. Beide stimmen zu, obwohl sie diesen Weg bestimmt nicht gewollt haben.
Davon möchte ich lernen. Es kann nicht nur nach meinem Kopf gehen, das Leben. Es werden nicht nur meine Pläne wahr. Denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt, sagt das Sprichwort. Das ist oft wahr. Was Menschen alles wollen und planen ... Was haben wir für Träume ... Und was passiert? Etwas anderes, manchmal das Gegenteil. Irgendwer oder irgendwas wirft das Ruder herum – und alles läuft anders. Und dann?
Dann gibt es nur eins, wenn es gut werden soll. Ich muss zustimmen wie Maria. Ich muss mich fügen. Ich will hoffen und glauben, dass Gott es besser weiß. Das ist schwer. Aber es ist meine einzige Möglichkeit, auf dem neuen Weg gehen zu können. Maria hat es keinen Spaß gemacht, ungewollt schwanger zu werden. Ihrer Familie auch nicht. Aber sie macht etwas Großartiges. Sie sagt: Ja, mit Gottes Hilfe. Die kommt dann auch, die Hilfe Gottes. Engel begleiten sie durch jedes dunkle Tal. Das ist das Schöne am Leben: Wer sich Gott fügen kann, dem dienen alle Engel.
Michael Becker
So kann Liebe wachsen
Wussten Sie schon, dass die Adventszeit eine Buß- und Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Christi ist? Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann erst steht das Christkind vor der Tür.
Wussten Sie schon, dass der Heilige Nikolaus von Myra ein Bischof und kein Weihnachtsmann war?
Wussten Sie schon, dass der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte ist, weil die »Erklärung der Menschenrechte« an diesem Tag im Jahr 1948 in Paris verabschiedet wurde?
Wussten Sie schon, dass »O du fröhliche« und »Stille Nacht« Weihnachtslieder sind? Wussten Sie schon, dass es besser ist ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen?
Wenn Sie das alles wussten, warum leben Sie so, als wäre jetzt schon Weihnachten, warum läuft der Nikolaus als Weihnachtsmann verkleidet durch Kaufhäuser, Fußgängerzonen und Kindergärten? Warum werden dann immer noch in mehr als 70 Staaten dieser Erde Menschen gefoltert und misshandelt? Und warum werden auch heute noch in mehr als 130 Ländern der Erde Menschen hingerichtet? Warum schreien mich die Weihnachtslieder schon im Advent an? Warum leben wir weiter in unserer selbstverschuldeten Dunkelheit?
In der Bibel wird erzählt, dass Johannes der Täufer ähnliche Fragen stellte. Die Zuhörer reagieren betroffen: »Was sollen wir tun?« Die Antwort lautet liebevoll und einfach wie auch scheinbar weltfremd: »Tut das, was die Not in der Nähe wendet. So kann Liebe wachsen. Geht maßvoll mit eurer Überlegenheit um. So kann Friede wachsen. Achtet über alles die von Gott geschenkte Menschenwürde. So kann Gerechtigkeit wachsen.«
Es lohnt sich über die Geschichte im Lukasevangelium im 3. Kapital nachzudenken. Denn nachdenklich im Advent ist allemal besser, als bedenkenlos dem Zeitgeist zu folgen.
Dietmar Preiß
Die Beschützer im Himmel
Sonntags geht er zur Jagd, der junge Mann aus dem Hochadel. Zum Gottesdienst geht er nicht gerne. Eines Tages kommt alles ganz anders. Wieder ist er auf der Jagd, der junge Hubertus. Plötzlich sieht er einen weißen Hirschen mit herrlichem Geweih. Dann hört er noch eine Stimme vom Himmel: Du sollst dein Leben ändern. Du sollst nicht jagen, während andere Gottesdienst feiern.
Tatsächlich ändert Hubertus sein Leben. Auf der Stelle. Und wir wissen heute, dass diese Geschichte zu schön ist, um wahr zu sein. Wahrscheinlich war alles ganz anders. Ist aber eigentlich egal. Wichtig ist: Hubertus war um 700 nach Christus ein guter Bischof in Belgien und sorgte sich um alle, denen es nicht gut ging. Darum nennt man ihn einen Heiligen. Am 3. November ist sein Gedenktag. Hubertus ist im Himmel, also da, wo Gott ist. Dort passt er gut auf und beschützt die Förster und Jäger, die Optiker und Kürschner.
Das klingt seltsam, zugegeben. Aber schön ist es doch. Im Himmel ist jemand, der auf mich aufpasst, mich beschützt. Und dieser ‚Jemand’ hat auch einen Namen. Sie heißen Hubertus oder Martin; Elisabeth oder Barbara. Der Himmel ist nicht so weit weg, wie ich manchmal fürchte. Der Himmel hat sogar Namen. Jeder Tag hat einen Namen im Himmel. Ich bin in der Welt nicht alleine. Es gibt den Schutzpatron oder -patronin. Die waren mal richtige Menschen mit Fehlern und Liebe und Leid. Wer Gutes tut, den vergisst Gott nie mehr. Die sind jetzt im Himmel, da, wo Gott ist. Da passen sie auf mich auf. Damit ich heute bloß nicht verpasse, etwas Gutes zu tun.
Michael Becker