Gemeindefahrten

Tagebucheinträge Erster Tag

Gemeindefahrt in die Toskana

Samstag, 6. September
1. Tag

Baunatal – Florenz

Toskana für Anfänger – der erste Tag  Es ist gerade 4 Uhr - vier Uhr früh um genau zu sein. Grelles Licht überflutet mein Lager. Zwei Hände, beide von der Größe eines Toilettendeckels reißen mich brutal aus der Ecke in die ich mich gepresst habe. Den Aufschlag auf das Treppengeländer habe ich noch nicht ganz verdaut da pressen mich die Schraubstöcke auch schon auf einen Küchenstuhl. Die grelle Lampe blendet mich, und nur mit Mühe erkenne ich schemenhaft das Chaos in der sonst so aufgeräumten Küche.  Ich erwarte dass Heidi, der Haushaltsvorstand, ebenfalls von den Eindringlingen gefesselt und geknebelt in einer Ecke geworfen wurde.   Aber nein, da springt sie ja herum und packt den Inhalt des Kühlschrank vor mich auf den Tisch.  Da liegen schon zwei Fotoapparate, zwei Brieftaschen, Bargeld und andere Dinge zum Abtransport bereit. Macht sie etwa gemeinsame Sache mit den Einbrechern? Haben sie gemeinsam den Dicken um die Ecke gebracht um jetzt die Beute einzusacken?
Jetzt packt sie auch noch die „Ahle Worscht“ dabei.  Jetzt ist es sicher! Die müssen den Dicken gekillt haben sonst würde er spätestens in diesem Moment wie ein Berserker über die Bande kommen. Hey aber da is´er ja doch - halbwegs munter und guter Dinge.    Ach so jetzt wird mir so einiges klar -  ER hat mich aus meiner Schlafstatt gerissen und das hier sind Reisevorbereitungen.  Mir hat natürlich mal wieder keiner was gesagt.
Die Menge „Ahle Worscht“ oder wie man sagt "Das Kasseläner Notfallpäckchen gegen Heimweh“   deutet auf eine Fernreise hin.  Na gut, da muss ich natürlich dabei sein“  Wieso man jedoch ausgerechnet mir wieder das ganze Zeug vom Küchentisch plus zwei Schirme, ein Nessessär und diverse Tupperdosen auflädt möchte ich bei Gelegenheit gerne mal diskutiert haben.  Sehe ich richtig?  Der Dicke verlädt vier riesige Koffer und einen Rucksack in Heidis kleinen roten Flitzer.   Wollt Ihr etwa auswandern?? Nehmt doch auch noch den Fernseher mit! Haben sie euch den großen Wagen etwa gepfändet?   Jetzt weiß ich:  Wir sind pleite. Ihr seid Wirtschaftsflüchtlinge. Aber ich will nicht wieder arm sein. Lasst mich hier.  Ups - wieso hält er denn jetzt nach kaum 500 Metern schon wieder an?  Ist der Sprit schon alle?  Jetzt steigt der auch noch aus und die Kleine ebenso.  Wie…… ich soll auch raus? Kann mir ma´ einer erklären was hier heute so abläuft?“  Obacht!! Da schält sich  eine dunkle Gestalt aus dem Mondschatten heraus und kommt auf bedächtig uns zu.  Dicker pass auf dein Gepäck auf so wie der aussieht ist dem nicht zu trauen!!  Ahh ..  Entwarnung – das is´ ja nur der Törner. In Fachkreisen  der „Hohepriester der Fernreisen" oder auch der "Padre per pedes“ genannt.   Jetzt begreif ich :  Is´ wohl ma´ wieder  Kirchenreise angesagt. Kreuzzug gegen die Rechtgläubigen in Rom!!!! Benedetto pass auf- diesmal musst du die Baunataler auch aufrufen!! “  „Wie denn Toskana? In die Toskana – Nicht nach Rom??   Hey, habt euch ja diesma´ richtig was einfallen lassen.“   Ach übrigens – Ich hab mich ja noch gar nicht vorgestellt:  Mein Name ist: „Titan" Titan Nylon um genau zu sein. Das steht übrigens auch auf s dem Schild auf meiner Brust,  Mein Job ist seit Jahren Handgepäck. Wobei ich allerdings lieber „Flugbegleiter“ genannt werde.  Vor langer Zeit habe ich meinen Geburtsort in China in Richtung Westen verlassen und dann hier meinen Dienst angetreten.  Is´ Schicksal - man kann´s sich die Leute nun mal nicht aussuchen.“  Wer is´n noch da? Irgendwer Bekanntes?“  Ah, da drüben den zerknautschten Kunstlederkoffer den kenn ich.  Den hab ich schon mehrfach getroffen.  Erstaunlich das der sich in seinem Alter noch auf Fernreisen wagt.  Die Jahre haben ja bereits tiefe Spuren in seine Haut gegraben.  Wie hieß der noch: Ach ja Handkoffer - Bülo –  und es bewahrheitet sich halt immer wieder  : wie der Herr so´s Gescherr.  Der graue Schalenkoffer – heißt Törner.  Auch Klar.  Der Vauwehaufkleberkoffer  – gehört Friehmelts.                 Sabine, und Helmut ihr Rucksackträger, sind auch da und andere mehrere andere berühmt-berüchtigte Wiederholungstäter. Ein paar Frischlinge blicken schüchtern herum und dann ist da noch ein Schminkkoffer.   …….  Schminkkoffer? Ups–ein Sahnestück von einem Schminkköfferchen.  Hartschale in schwarz, gerundete Ecken und das Luder hat sogar braune Lederapplikationen. Mann ist die scharf.  „Hey Dicker geh ma´ darüber und mach uns bekannt. Los beweg dich bevor sich der aufgeblasene italienische Hartschalentrolley dazwischen drängt. Na bitte du Langweiler , schon passiert.  Is` ja klar. Sonnenbraun, affig gestylt, kaum`nen Kratzer und ein tiefer gelegtes Fahrwerk.  Das wirkt halt bei den Weibern. „Doch   kommt Zeit kommt Rat – meine Stunde wird schon noch schlagen“.  Wieso is´ denn der Bus da eben vorbei gefahren. Der sucht doch uns. Sieht der uns denn nicht? Los Dicker schwing die Hufe. Hinter her.“ Na wenigstens jetzt bewegt der sich mal ein bisschen schneller und er schafft´s sogar den Bus zurück zu holen.   Aber er pfeift dafür aber auch wie die „Naumburger“.  Hey jetzt gilt´s. Aufpassen … das Douglasschnittchen nur nicht aus den Augen lassen und … ja, ja , ja sie wird im die Gepäckablage verfrachtet und ich daneben. DANEBEN, Dicker DANEBEN nicht GEGENÜBER du Schnarchsack !! Na gut, zumindest kann ich Blickkontakt mit Ihr halten und der „Maffiosokoffer“ muss sowieso in den Omnibuskeller. Jetzt hab ich schon mal 3 muntere Stündchen Zeit zum Baggern.  Wie schon Flughafen Köln?  Ich bin noch nicht soweit.  Lasst uns noch ´ne Runde drehen. Zeigt denen den Dom !!         Na denn eben nicht.  Raus aus dem Bus, Koffer gepackt und dann hinter „Maxmio Leader“ her ins Flughafengebäude. Na gar nicht so viel los heute, oder?  Is´denn der Flug schon auf der Anzeigetafel? Ja da steht´s 11 Uhr Pisa – gecanceled !!´                 Hey liest das denn keiner von Euch??  „Gecanceled“ - „Gestrichen“-  „Nix Flug“,- “Ihr habt „Zaheihaheit“.   Jetzt parkt „Maximo Leader“ sein Grüppchen in der äußersten Hallenecke und verschwindet im Getümmel vor den Checkinschaltern.  Gefühlte zwei bis drei Tage später kommt er, blass um die Nase zurück und verkündet:  Unser Flug ist gecanceled (hab ich´s nicht schon dauernd gesagt?) und wir werden auf eine andere Maschine in  ca. 4 Stunden umgebucht.  Also rann an den Schalter, rein in die Schlange und gewartet.   Die Bodenflugente am Schalter schafft fleißig wie eine Hartz 4-Empfängerin. Und genau so schnell.  Meist telefoniert Sie oder kommuniziert mit vorbeikommenden Kollegen. Günter T. wacht neben dem Schalter und versucht seine Schäfchen zusammen zu halten. Die Blicke die er der Telefonistin zuwirft sind hart an der Grenze zur Tätlichkeit und nur mühsam unterdrückt er die eine oder andere Träne.  Dann geht es vorwärts.  Zumindest teilweise. Also ein Wenig. Mann kann sagen - fast gar nicht.  Nach einer guten Stunde haben 17 von 25 Mitreisenden eine Bordingcard.  Mein Dicker und seine Kleine auch.  Aber das Schminkköfferchen steht noch immer ohne die Lizenz zum Fliegen da.  Wie denn??  Zweite Gruppe, anderer Flug, noch 4 Stunden später!!  Seid ihr wahnsinnig?? Ich denke die Firma heißt TUI fly und nicht TUI wait!! Wollt ihr mir  drei Stunden Anmache mit einem Schlag vernichten??  Lasst den Copiloten hier oder eine Saftschubse. Der Schminkkoffer muss mit!!“  Nun schieben wir schon seit drei Stunden Runde um Runde durch den Flughafen.  Nachdem 15 Euro Verzehrgutschein pro Person bereits in Fischbrötchen und Kaffee umgewandelt wurden war die Klofrau von Halle A zwischenzeitlich fast ausschließlich für „Gruppe Törner“ beschäftigt.  „Komm Dicker kauf irgendwas Alkoholisches für uns, ich halte die Trennung von meinem Schminkköfferchen nicht mehr aus. Ich ergebe mich dem Suff.“  Um halb vier sind wir endlich in der Maschine. Eingepfercht zwischen die Passagiere die aus Hannover hierher umgeleitet wurden.  Aus Hannover ???? Sollten wir nicht auch von Hannover aus starten?   Könnte das sein, dass wir jetzt in der Maschine sitzen für die wir ursprünglich vorgesehen waren???  Mich knallt der Dicke unter den Vordersitz direkt hinter die Füße seines Vordermannes.  Oh Gott. Ist der Parmesanverkäufer oder verwest der schon.  Ja der muss bereits vor mehreren Tagen gestorben sein so wie der riecht. Wenn jetzt die Maschine abstürzt kann das wie eine Erlösung sein.   Und mein Schminkköfferchen duftet ganz allein vor sich hin und ist bereits vor der möglichen Ehe Witwe.  Wo ist eigentlich der Ersatzferrari?  Hoffentlich ist der wenigstens in diesem Flieger oder noch besser fehlgeleitet nach Wladiwostok. Bloß nicht bei der zweiten Gruppe.  Pisa Italien achtzehn Uhr!   Gefühlte 80 Grad und 250 Prozent Luftfeuchtigkeit. Mein Dicker schmilzt und seine Frisur ist sowieso schon Matsch. Bloß schnell in die Abfertigungshalle bevor ich noch aus seinen feuchten Händen gleite. Irgendwann kommen die Koffer und ich bin mächtig erstaunt das bei „Törner´s Chaos-Reisen“ doch eine Reiseführerin und ein Bus zur Stelle sind. Der Dicke packt mich ins Gepäcknetz.  Da hab ich wenigstens einen Überblick und kann mich ein wenig von meiner Schwermut ablenken lassen.   Was macht bloß mein Schminkköfferchen !!  Margot Hatje und Ursula Reichert sitzen direkt unter mir und ich höre das die beiden  sich ´ne Vespa leihen wollen.  Und dann im Minirock mit Highheels durch Florenz dröhnen.  Bahhhh – super ejjiii –Mädels - nehmt rote Lack-Highheels mit mindestens 12 cm. Absätzen und die Italiener werden uns das Kolosseum schenken.  Fast eineinhalb Stunden donnert der Ersatz-Schuhmacher mit seinem Schulbus nun durch die Toskana Richtung Florenz. Durch die Toskana ?? Bei dem was ich hier aus meinem Gepäcknetz sehe ist das eine Abfolge von Industrieansiedlungen im Wechsel mit Baumschulen.  Die italienische Informantin am Mikrofon erzählt jedoch was von wunderbaren Orten die aber komischerweise alle im Hintergrund sein sollen, die mit unwahrscheinlichen Sehenswürdigkeiten bestückt sind , und die wir bestimmt noch alle zu Gesicht bekommen würden.   „Grüß sie Gott, Herr Potemkin. Schöne Dörfer haben sie da.“  Es ist bereits neue abends als wir endlich im Hotel sind. Und natürlich hat der Dicke nichts Besseres zu tun als mich auf das Zimmer zu verfrachten und sofort zum Essen zu verschwinden.  Da steh ich nun neben dem alten Lederrucksack von der Kleinen, der aber leider nur wie eine Schwester für mich ist, und sehne mich nach meinem Schminkköfferchen.  „Sch… Toskana“  

Heidi und Hans-Joachim Hirdes

Toskana 08

Toskana 08

Toskana 08

Toskana 08

Toskana 08

Toskana 08

Toskana 08

Tagebucheinträge Zweiter Tag

Sonntag, 7. September
2. Tag

Florenz
Kathedrale,.

Nachdem wir uns alle nach der ersten Nacht in Florenz beim Frühstück im Hotel wieder getroffen haben, holte uns unsere Reiseführerin Helga (aus Augsburg ) um 9.30 Uhr im Hotelfoyer ab. Bei strahlendem Sonnenschein ging es nach etlichen Erklärungen über die Stadt und ihre wechselvolle Geschichte zu Fuß in die nahegelegene Innenstadt.
Eine der berühmtesten und wichtigsten Florentiner Familien im Mittelalter waren die Medici, ursprünglich eine Apothekerfamilie. Sie haben Florenz durch geschickte Politik und Geldverleih auch an den Papst (sie hatten das Münzrecht) geprägt und zu Reichtum geführt. Wie wir gehört haben, scheiden sich die Geister darüber, ob die Kugeln im Familienwappen die Pillen oder die Münzen darstellen. Aber nicht nur Geschäfte und Politik haben die Medici berühmt gemacht, sondern auch die Förderung der Künste. Besonders Lorenzo Il Magnifico – der Prächtige – holte Künstler, Dichter, Gelehrte und viele andere berühmte Persönlichkeiten nach Florenz. Talente wurden von ihm gefördert und so hat er auch Michelangelo bereits im jugendlichen Alter von 14 Jahren in sein Haus aufgenommen und ihn von Malern, Steinmetzen und Kupferschmieden unterrichten lassen und ihn später an den regelmäßigen Treffen der Intelligenz von Florenz teilnehmen lassen. Florenz wird zum geistigen Zentrum Europas und hatte bereits damals 100.000 Einwohner. Zeit Lebens ist Michelangelo mit den Medici freundschaftlich verbunden geblieben, auch während seiner Zeit in Rom, als ein Sohn Lorenzos – Giovanni de Medici –als Leo X. zum Papst ernannt wurde.
Zu Fuß ging es an der alten römischen Stadtmauer vorbei in Richtung Arno zum Nikolaus-Tor. Genau an dieser Stelle überspannt die gleichnamige Brücke „Ponte San Niccolo“ den Fluss. Bei unserem gemütlichen Gang entlang des Arno sahen wir auf den Hügeln am anderen Ufer des Flusses Reste der alten Stadtmauern und hatten einen Blick auf den Piazzale Michelangelo mit der Statue des David. Wenn man den Arno so friedlich fließen sah, war es für uns unvorstellbar, dass er bereits mehrfach für starke Überschwemmungen gesorgt hat und viel Schaden in der Innenstadt angerichtet hat. Besonders schlimm war die Überschwemmung 1966, die viele Kostbarkeiten unwiederbringlich zerstört hat. Die Pegelstände an der Nationalbibliothek legten davon Zeugnis ab.
An Stelle der heutigen Nationalbibliothek befanden sich im Mittelalter die Franziskaner-Gärten. Die größte Franziskaner-Kirche Italiens ist Santa Croce mit ihrer wunderbaren Marmorfassade (sie liegt im Osten der Stadt während die Dominikaner-Kirche im Westen der Stadt liegt). Da ein jüdischer Künstler an den Bauarbeiten mitgewirkt hat, ist im oberen Teil des Giebels der Davidstern eingearbeitet. Auch besitzt diese Kirche mit die größte Glasfensterfläche. Michelangelo, Galilei, Rossini, Machiavelli und viele andere Berühmtheiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Über 200 Grabplatten sind in dem Innenraum zu finden. Ein Standbild Dantes erinnert daran, dass er aus Florenz verbannt wurde, aber nach dem Tode dann doch wieder in dieser Stadt zu Ehren kam.
Über den herrlichen Piazza Santa Croce mit tollen Ledergeschäften ging es dann weiter durch ein kleines Gässchen. Von unserer bayrischen Helga hörten wir dann, dass es auf Deutsch „zum Ringelschwänzchen“ hieß. Nun standen wir vor dem Bargello, dem heutigen Nationalmuseum. Berühmte Skulpturen sind hier ausgestellt. In früherer Zeit war es das Rathaus, später Gerichtsgebäude, dann Gefängnis. Wir gönnten uns einen Blick in den schönen Innenhof und weiter ging es zum Geburtshaus Dantes und seiner Pfarrkirche. Von hier aus erhaschten wir den ersten Blick auf die goldene Kugel der Domkuppel.
Am Menschengewühl und den vielen verschiedenartigen Sprachen merkten wir, dass wir dem eigentlichen Zentrum von Florenz nahe waren: dem Domplatz. Obwohl viele von uns bereits diesen Platz gesehen hatten, waren wir doch alle wieder stark beeindruckt von dem Baptisterium, dem Campanile und dem Dom. Vor der Loggia del Bigallo, einem ehemaligen Findel- und Siechenhaus, fanden wir ein Plätzchen, um „unserer Helga Schweighörner oder so ähnlich“ ganz begeistert zuzuhören, was sie über diese drei phantastischen Gebäude zu sagen hatte (und wehe wir lauschten nicht mit der erwarteten Aufmerksamkeit!). Einen Rüffel deshalb haben mehrere von uns einstecken müssen.
Auf dem Domplatz herrschte ein Gewimmel von Menschen, so dass wir uns nur mit viel Schubsen und Drängeln die von Ghiberti gestaltete goldene Paradiespforte am Baptisterium, der Taufkapelle Dantes, ansehen konnten. Das Südportal stammt von Pisano und zeigt Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, dem Schutzpatron von Florenz. Interessant war zu hören, dass im Mittelalter nur derjenige die Kirche betreten durfte, der vorher getauft war. Daher auch das Baptisterium vor dem Dom (und vor allen anderen großen Kirchen, die wir im Laufe der Woche gesehen haben). Der Campanile ist das älteste der drei Bauwerke und ist aus zweifarbigem Marmor. Währenddessen das Baptisterium und der Dom vier verschiedene Marmorfarben zeigen (schwarz, weiß, rosa, grün). Die grandiose Kuppel wurde nach vielen Schwierigkeiten ohne Bodengerüst von Brunelleschi gebaut und 1436 eingeweiht. Traumhaft, grandios, phantastisch ... das waren Worte, die man ständig in den Ohren hatte.
Durch eine wunderschöne Einkaufsstraße mit edlen Geschäften (leider nicht unsere Preisklasse) ging es weiter zur Piazza della Republica, dem größten Platz der Stadt und gleichzeitig dem Schnittpunkt der Hauptachsen von Florenz.
Der Mercato Nuovo mit seinem Wildschweinbrunnen war im 16.Jh als Handelsplatz für Gold und Seide als Loggia mit 20 Säulen erbaut worden und wird heute von den Touristen sehr gern besucht. Gold und Seide gehören jedoch der Vergangenheit an, dafür gibt es jetzt Gebrauchsgüter und Nahrungsmittel, die sich auch die Touristen leisten können.
Schon von weitem sehen wir den Glockenturm des Rathauses Palazzo Vecchio auf der Piazza della Signoria, dem politischen Zentrum von Florenz. Rechts vor dem Palazzo steht er endlich: Michelangelos David. Es ist zwar nur die Kopie, das Original befindet sich in der Galleria dell´ Academia, aber schön ist er trotzdem. Der Neptunsbrunnen auf der linken Seite ist meiner Meinung nicht schön, aber gewaltig.
In der Mitte des Platzes ist eine Platte eingelassen. An dieser Stelle wurde der Dominikaner-Mönch Fra Savonarola 1498 als Ketzer hingerichtet. Dieser Mönch wurde seinerzeit von Lorenzo de Medici nach Florenz geholt. Durch seinen Einsatz für strenge Sitten und das Ablehnen jeglicher Kunst und Literatur wurde er aber bald zu dessen größtem Widersacher. Als er nach Lorenzos Tod auch noch Einfluss auf die Politik nimmt, sich mit dem Papst überwirft und gegen jegliche Vergnügungen der Bevölkerung wettert, wird ihm Prediktverbot vom Papst erteilt. Durch eine 11-monatige Regenzeit, in der es wenig Nahrungsmittel gibt, Seuchen grassieren und Florenz wirtschaftlich dem Ruin zusteuert, verliert Savonarola in der Bevölkerung den Rückhalt und wird schließlich als Ketzer hingerichtet. Erst 400 Jahre später wird er von der katholischen Kirche rehabilitiert.
Die im rechten Winkel zum Palazzo Vecchio stehende Loggia dei Lanci mit ihren Rundbögen beherbergt viele Skulpturen, u.a. Perseus mit dem abgeschlagenen Haupt der Medusa, der „Raub der Sabinerinnen“, und viele mehr. Auf der Piazza della Signoria befindet sich der von Donatello geschaffene Löwe: das Wappentier der Florentiner, es symbolisiert Kraft und Freiheit.
Gemütlich ging es dann auf die 700 Jahre alte Ponte Vecchio zu. Im Mittelalter hatten Metzger und Gerber ihre Geschäfte auf der Brücke und entsorgten ihre Abfälle in den Fluss. Durch den fürchterlichen Gestank dieser Abfälle wurden Ende des 16.Jh. die Metzger und Gerber vertrieben und Kunsthandwerker und Juweliere angesiedelt und so ist es bis heute geblieben. Wir gingen danach durch den Vasari-Korridor in Richtung Uffizien. Der Vasari-Korridor verbindet den Palazzo Vecchio und die Uffizien, mit der Brücke bis hin zum Palazzo Pitti auf der anderen Arno-Seite. Von hier aus hatten wir noch einmal einen herrlichen Blick auf die Brücke und den Fluss.
Als wir vor den Uffizien, dem ehemaligen herzoglichen Verwaltungsgebäude, standen, fielen die großen Statuen der berühmtesten Florentiner Künstler auf: Michelangelo, Pisano, Raphael, Da Vinci, usw. Jetzt waren wir, so glaube ich, alle froh, dass wir nicht an diesem Tag noch eine Führung in der berühmten Kunstgalerie hatten.
Unser letztes Ziel der Führung an diesem 1. Tag in Florenz war die Kirche Orsanmichele. Sie wurde im 14. Jh. im Auftrag der Zünfte gebaut und diente als Getreidespeicher und Markhalle. Die verzierten Fenster waren ursprünglich die Bögen einer Loggia. In jedem Fenster ist ein Relief der unterschiedlichen Handwerke entstanden. Besonders schön ist das Gnadenbild Maria in dem Marmortabernakel
Nun bekamen wir noch einen Tipp für unsere wohlverdiente Mittagspause, die wir nach diesen vielen Eindrücken gut gebrauchen konnten.
Den Nachmittag haben wir ohne Führung in kleinen Gruppen je nach Lust und Laune verbracht. Wir haben uns noch einmal auf die Ponte Vecchio ins Getümmel gestürzt und sind dann langsam in Richtung Palazzo Pitti gelaufen. Ruhe und herrliche Ausblicke fanden wir dann in den Boboli-Gärten, die zu den schönsten Italiens gehören. Sie liegen hinter dem Palazzo Pitti und bieten wunderschöne Ausblicke auf den Arno, Florenz und die Berge im Hintergrund. Ein kleines Porzellanmuseum befindet sich oben auf dem höchsten Punkt des Gartens. Beim Abstieg haben wir uns die Grotte von Buontalenti aus dem 16. Jh. angesehen und uns über das auf einer Schildkröte reitende Dickerchen amüsiert. Wie wir im Nachhinein gelesen haben, handelt es sich hierbei um den Bacchus-Brunnen. Das Dickerchen soll der Hofzwerg von Cosimo I. sein. Leckeren Espresso gabs dann im Café des Palazzo Pitti.
Unser Wunsch, auf dem Rückweg zum Hotel, die Kirche Santa Croce von innen zu besichtigen, ging leider daneben. Es wurde gerade geschlossen. Selbst ein Blick von außen durch die Scheiben wollte man uns nicht gestatten. Schade!
Ein Eis hat uns den Rückweg leichter gemacht. Als wir im Hotel waren und uns fürs Abendessen vorbereitet hatten, waren die Anstrengungen bei den meisten vergessen.
Fazit: Florenz ist eine wunderbare, lebhafte Stadt. Wahrscheinlich reicht ein Leben nicht aus, um alle Kunstschätze zu sehen und zu verstehen. Die Eindrücke waren überwältigend. Irgendwann fahren wir wieder dorthin...
Margot Hatje und Ursula Reichert

 

Tagebucheinträge Dritter Tag

Montag, 8. September
3. Tag

Tagesfahrt nach Pisa und Lucca
Kennen Sie Pisa? Natürlich, Pisa kennt doch jeder!  Jeder weiß, dass dort der berühmte Schiefe Turm steht –  und sonst?  Viel mehr wissen wir nicht, aber heute werden wir mehr über diese mittelalterliche Stadt in der Toskana erfahren.
Von Florenz fuhren wir ca. anderthalb Stunden über die recht belebte Autobahn nach Westen. Wir kamen durch eine abwechslungsreiche  Landschaft  mit ausgedehnten grünen Hügeln und höheren Bergen der Apenninen im Hintergrund. Zahlreiche Baumschulen mit einheimischen Pflanzen, z. B. Zypressen und Zedern  waren zu sehen. Sie bedeuten eine lukrative  Einnahmequelle für die gesamte Region.
Nach unserer Ankunft am Pisaner „ ZOB“ wurden wir gleich von Anna, unserer italienischen Stadtführerin in nahezu  akzentfreiem Deutsch empfangen.
Hier machten wir auch Bekanntschaft mit dem weit verbreiteten „ Schwarzen – Markt“ – Farbige, die den Touristen massenhaft Gürtel, Taschen, Hüte, Sonnenbrillen und mehr zum Kauf anboten. Leider waren wir keine guten Kunden, denn wir hatten ja alles Nötige dabei. So war es zwar ein buntes Bild, aber eher ein bisschen bedrückend. Wer weiß denn schon,  was für ein Schicksal  sich hinter jedem Einzelnen  verbergen mag…?
Bis zu unserem eigentlichen Ziel hatten wir ca. 800 m zu Fuß zurückzulegen. Schon bald sah man  die Zinnen einer wuchtigen mittelalterlichen Mauer, die die Piazza dei  Miracoli abschirmte – und dann standen wir auch schon auf dem berühmten Platz der Wunder. Blauer Himmel und wenige Wölkchen waren ein toller Kontrast zu den gewaltigen, überwiegend weißen Marmorbauten und dem sattgrünen,  gepflegten Rasen. Hier merkte man nicht, dass es drei Monate lang sehr heiß  war und  nicht geregnet hatte.
Neben dem berühmten Schiefen Turm  sticht zunächst der  gewaltige Dom ins Auge. Beide sind im Stil der so genannten Pisaner Romanik errichtet. Typisch sind hier die durchbrochenen Fassaden mit vielen Säulen und Rundbögen in mehreren Etagen übereinander. Auf dem Platz befinden sich auch das Baptisterium, das Hospiz und der Monumentalfriedhof (Camposanto), der auch heute noch  genutzt wird.
Es war unmöglich, in unserer knapp bemessenen Zeit alles näher kennen zu lernen. So verließen wir uns auf unsere  Stadtführerin, die für uns eine Auswahl traf und uns sehr kompetent  mit einigen Besonderheiten vertraut machte. Den Dom haben wir dann etwas  genauer besichtigt.
Baubeginn war im 11. Jahrhundert, etwa zeitgleich mit dem Markusdom in Venedig. Der gesamte Bau zeigt deutlich maurisch, islamische Merkmale; als Beispiel sei nur der separate matre meo (Frauenbereich) in den oberen Bauabschnitten genannt. Auffallend ist  auch der kreuzförmige Grundriss, der in Italien bisher überhaupt nicht üblich war. Beeindruckend ist das riesige Mosaik vom thronenden Christus in der Apsis. Der Fußboden ist aufwändig mit Intarsien verziert. Über 60 riesige Säulen, die alle  auf dem damals noch schiffbaren Arno herantransportiert worden sind, befinden sich im Innenraum des Domes.
Ursprünglich am Meer gelegen, war Pisa früher eine wichtige Handelsstadt und eine der 4 Seefahrerrepubliken. Hier entstand auch im 16.Jahrhundert eine der ersten Universitäten Italiens, die bis heute eine der größten und wichtigsten geblieben ist. Man sagt, dass von den ca. 90000 Einwohnern Pisas etwa 40000 Studenten seien und jeder dritte Einheimische einen Hochschulabschluss habe.
Doch zurück zum Dom. Besonders erwähnenswert ist hier noch eine reich verzierte marmorne  Kanzel von Pisano aus dem 14. Jahrhundert. Allerdings war dieses Kunstwerk zunächst nicht unumstritten, da die realistische Darstellung der verschiedenen Figuren nicht dem damaligen Zeitgeist entsprach. Genau so empfinden heute viele Italiener die moderne Kanzel (Christus in einem Zylinder mit den Emmaus - Brüdern vor einem Lebensbaum) als  Fremdkörper  in diesem mittelalterlichen Bauwerk. Der Mensch ist  eben ein Gewohnheitstier – nicht nur was Kunst und Kultur betrifft. Auch technische Neuheiten wurden  immer wieder mit Argwohn beäugt und abgelehnt.
Anna wies uns schließlich noch auf eine schwere bronzene Hängelampe hin, mit deren Hilfe Galileo Galilei, einer der berühmtesten Söhne der Stadt, seine Pendelgesetze erforscht  haben soll.
Nun zum Haupt-Fotomotiv auf dem Platz der Wunder: dem Schiefen Turm. Dieses weltberühmte Bauwerk entstand in Etappen. Im 12.Jahrhundert wurde mit dem Bau angefangen, aber bereits nach Fertigstellung der 3.Etage begann der Turm sich zu neigen, da der Untergrund moorastig und  nicht tragfähig genug war. Folge war zunächst ein Baustopp. Erst im 13.  Jahrhundert wagte man sich an den Weiterbau.
Ungewöhnlich für die damalige Zeit ist die runde Form des Turmes. 100m hoch sollte er werden. Neue Etagen wurden wieder lotrecht aufgesetzt, aber der Turm neigte sich weiter. Er ist nun schließlich insgesamt schief, aber auch noch in sich krumm und verschoben, und bei einer Höhe von nicht einmal 60m war dann endgültig  Schluss.  In den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde er in einer gewaltigen Rettungsaktion mithilfe von Stahlseilen  insgesamt um ca. 50 cm begradigt und der Untergrund mit Beton  befestigt. Es heißt, für die nächsten 300 Jahre  bestehe keine Gefahr mehr. Trotzdem werden ständig technische Kontrollen durchgeführt.
Heute ist der Turm wieder begehbar, und der Andrang ist groß. Für unseren kurzen Besuch hätte eine Turmbesteigung dann doch zu viel Zeit gekostet. So schenkten wir uns die fast 300 Stufen, sparten die lange Wartezeit und 15 Euro Eintritt. Eigentlich schade! ….
Etwas ganz Besonderes im Bereich der Piazza ist auch das Sinopienmuseum.  Sinopien waren ursprünglich so etwas wie Vorzeichnungen  aus rotem Sand an den Wänden des Camposanto, auf die dann  Fresken aufgemalt wurden. Da der rote Sand aus der Gegend der türkischen Stadt Sinop stammte, nannte man diese Skizzen „Sinopien“. Nach einem Brand und der Zerstörung des Camposanto 1944 fand man sie unter den dortigen Fresken. Sie wurden restauriert und  als eigenständige Kunstwerke im  Hospiz ausgestellt.
Nach so vielen Informationen empfahl uns Anna,  die Stadt außerhalb des berühmten Platzes ein bisschen auf eigene Faust zu besichtigen. Bis zum Arno haben wir es noch geschafft, aber wir schlichen inzwischen doch ein wenig müde durch die Gegend. So stärkten wir uns erst einmal mit einer Pizza und einem Cappuccino, was unsere Lebensgeister wieder  weckte.
Am frühen Nachmittag ging es  weiter zu unserem 2. Ziel :  Lucca, einer  malerischen  mittelalterlichen Stadt etwas mehr im Landesinneren. Wegen ihrer günstigen Lage an der Frankenstraße, einem alten Pilger- und Handelsweg vom Frankenreich bis nach Rom,  ist sie schon sehr früh zu Macht und Reichtum gekommen. Querelen mit anderen einflussreichen Städten, wie z. B. Pisa oder auch Florenz, waren aber immer wieder  an der Tagesordnung.
Die Gründung der Stadt geht schon bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. zurück. Ihre  Blütezeit war vom 11. bis ins 13.  Jahrhundert. Die Stadt und Umgebung  profitierten besonders von der Papierindustrie. Auch die Herstellung von Seidenstoffen und der Handel damit begründeten
den Reichtum der Region. Heute sind neben Papier und Seide auch Leder, Oliven und Wein wichtige Einnahmequellen.
Schutzpatron der Händler war der heil. Michael, nach dem auch die dortige Michaelskirche benannt wurde.  Insgesamt gibt es rund 100 Kirchen in Lucca, von denen heute nur etwa 20 genutzt werden.
Stolz sind die Lucceser auf  Puccini, einen ihrer berühmtesten Söhne, der 1858 in Lucca  geboren wurde und zu dessen Ehre noch täglich Konzerte stattfinden. 
Die gesamte Altstadt ist  von einer heute noch vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben, auf der ein breiter Wander- und Fahrradweg  mit schönen Ausblicken angelegt ist. Früher durften sogar  Autos dort fahren.
Etwa 10000 Menschen lebten hier innerhalb der Mauern. Es gab keine Ausdehnungsmöglichkeit in die Breite, und so hat man  schon im Mittelalter in die Höhe gebaut. Wohntürme sind heute noch entlang der schmalen Gässchen zu bewundern.  Einflussreiche Familien bauten sich ihre Türme. Je mächtiger die Familie war, desto höher wurde der Turm. Diese „ Geschlechtertürme“ dienten  auch zu Verteidigungszwecken. Bei einem Angriff konnte man sich in die oberen Etagen flüchten und die Leitern nach oben ziehen, um den Angreifern den Weg abzuschneiden.
Im 13. /14. Jahrhundert hat man viele  Türme gestutzt (oder, wie Anna sagte, „gestumpft“). Sie sollten eine Höhe von 29 m nicht überschreiten. Das geschah einerseits aus Gründen der Sicherheit, und andererseits sollten sich  reiche Familien nicht zu sehr über die anderen erheben dürfen.
Wahrzeichen der Stadt ist der mit Steineichen bewachsene, weithin sichtbare  Guinigi -Turm, ein Teil des Guinigi – Palastes aus dem 14. Jahrhundert.  Dieser Turm ist  begehbar,  und man hat eine herrliche Sicht über die Stadt und  die Umgebung.
Anna war  eine  kommunikative, temperamentvolle Stadtführerin, die sich sehr mit „ihrer“ Stadt identifizierte. Voller Vorfreude machte sie uns aufmerksam auf die Vorbereitungen für die jährlich am 13. September zelebrierte, mehrstündige Lichterprozession, die - im Gedenken an die Überbringung  des Volto Santo in die Stadt -regelmäßig veranstaltet wird.
Im Dom San Martino konnten wir ihn dann sehen, den Volto Santo, einen schwarzen Christus am Kreuz,  mit geöffneten Augen – kein leidender Christus, sondern ein Triumphator!
In Lucca  nimmt er die Stellung eines Stadtpatrons ein und ist auch auf Lucceser Münzen abgebildet.
Bemerkenswert an der äußeren Struktur des Domes ist wiederum die weiße Marmorfassade, wie wir sie auch schon in Pisa gesehen hatten. Sie wurde erst später vorgesetzt  und  ist deutlich asymmetrisch ausgefallen. Vielleicht war der Turm im Wege.
Außen neben dem Eingang bemerkten wir noch das steinerne Labyrinth, das ein Symbol dafür sein soll, wie der Glaube den Menschen aus den Verwirrungen und Schwierigkeiten des Lebens helfen kann.
Nun steuerten wir die Piazza Anfiteatro an, einen malerischen ovalen Platz innerhalb der Stadtmauern. Heute ist es der Marktplatz, umschlossen von mehrstöckigen Reihenhäusern, die auf den Resten des alten römischen Amphitheaters aus dem 2.Jahrh. vor Chr. gebaut wurden. Während früher nur arme Leute darin wohnten, muss man heute schon sehr tief in die Tasche  greifen, wenn man hier eine Wohnung mieten will. Wer eine renovierte 80 m² große Wohnung gar käuflich erwerben will, muss gut und gerne 450000 Euro dafür hinblättern.
54 Torbögen erinnern noch  immer an die Zeit vor vielen hundert Jahren. Kleine Geschäfte und Straßencafes laden heute zum Verweilen ein, und auch wir ließen es uns dort bei einem Capuccino bzw. einem Espresso  gut gehen.
Danach machte das Schlendern durch die engen Gässchen mit ihren ganz individuellen ansprechenden kleinen Läden wieder richtig Spaß. Man musste nur ein bisschen aufpassen, weil sich überall zwischen den Fußgängern Radfahrer durchschlängelten.
Krönender Abschluss dieses  Tages war unser gemeinsames Abendessen in der Trattoria da „LEO“, einem netten Lokal in der Nähe der Michaelskirche, das gut auf große Gruppen eingestellt war. Wir genossen  ein zünftiges toskanisches  Menü  mit Pasta, einem Fleischgericht und Apfelkuchen als Nachtisch. Dazu gab es  reichlich Rotwein und das für diese Gegend typische ungesalzene Brot. Der Wein lockerte die Stimmung, und man kam sich innerhalb der  Gruppe näher.
Auf der Rückfahrt nach Florenz  haben einige dann mehr oder weniger schön gesungen. Das Echo darauf fiel  entsprechend unterschiedlich aus. Ob es wohl doch am Wein lag, dass die Töne nicht alle astrein getroffen wurden?  Trotzdem waren sich alle darin einig, dass es ein sehr schöner und erlebnisreicher Tag war.
Sabine und Helmut Lackner

Tagebucheinträge Vierter Tag

Dienstag, 9. September
4. Tag

Museum von San Marco, Findelhaus, Uffizien
Nach dem Frühstück machte sich eine Fünfergruppe von uns auf den Weg zum Kloster San Marco, die Übrigen kamen mit dem Linienbus nach. Um 9:30 Uhr begann die Führung durch das Museum mit Frau Dr. Helga Heighoerner.
Das ehemalige Silvestriner-Konvent wurde durch Papst Eugen den 6. den Dominikanern zugewiesen. Es wurde unter dem Stadtrat Cosimo dem Älteren und dem Bauherrn Bruneletti ab 1440 durch den Künstler Michelozzo umgebaut und erweitert. Weiße Wände, klare Linien und Goldener Schnitt sind die Hauptmerkmale des Bauwerks.
Die Namen berühmter Persönlichkeiten wie der des heiligen Antonius als Erzbischof von Florenz, Girolamo Savonarola und Beato Angelico sind mit dem Kloster verbunden.
Beim Rundgang fiel zuerst das Wappen der Familie Medici mit den Münzen über den Kugeln als Zeichen des Geldadels auf. Der Kapitelsaal und auch die Zellen sind mit herrlichen Fresken von Fra. Angelico ausgeschmückt. Im Kapitelsaal waren sie teilweise übermalt und wurden 1870 wieder restauriert mit sinnvoller Ergänzung von leeren Stellen.
Der Malermönch Fra. Angelico wurde schon zu Lebzeiten der „Engelgleiche“ genannt, da seine Malereien von typisch mittelalterlicher Religiosität beseelt sind und einen von lichtdurchflutete, paradiesische Atmosphäre ausstrahlen. Auf dem Bild „Die Abnahme vom Kreuz“ wurden wir auf Cosmas und Damian hingewiesen, die Schutzheiligen der Medici. Die beiden sind gleichzeitig auch die Schutzpatrone der Mediziner. Verwundert haben wir uns das Bild eines Leichnams angesehen, wo einem dunkelhäutigen Menschen ein weißes Bein beigegeben war. Der Mensch sollte auch im Tod komplett sein.
Die Zellen der Mönche sind sehr klein, da die Dominikaner ein Bettelorden sind und die Mönche sich verpflichtet haben, die gesammelten Gaben sofort am selben Tag an die Armen weiterzuverteilen. Darüber hinaus sind sie viel über Land unterwegs, um die Gaben einzusammeln.
Die Zelle von Savonarola ist mit je einem Raum zur Repräsentation, zum Studieren und zum Schlafen etwas großzügiger gehalten. Vor den Zellen ist ein Exemplar der berühmten Savonarola-Stühle ausgestellt.
Der Schreibsaal und die Bibliothek von Cosimo dem Älteren enthielten bereits einen abschließbaren Schrank zur Aufbewahrung von Akten von wichtigen Dokumenten.
Am Beispiel eines großen Pfaus mit Kirschen und Ornamenten von Andrea della Robbia wurde uns die Technik der glasierten Terracotta erläutert, die später durch seinen Neffen zur Majolika-Technik erweitert wurde.
Wir verließen San Marco und kamen zum Findelhaus. Es war die Aufgabe der Zünfte für den Erhalt des Hauses und die Versorgung der Findelkinder zu sorgen. Die Kinder wurden an einem kleinen Türchen der Basilica della Santissima Anunciata abgegeben. Es war wohl eine der ersten Babyklappen überhaupt. Das Gebäude wurde von Brunelleschi ab 1419 in modularer Bauweise mit verschiedenen Innenhöfen errichtet. Diese bildeten die streng getrennten Bereiche für Jungen und Mädchen.
Nach der Mittagspause von 12:00 bis 14:00 Uhr erwartete uns Simona vor dem Eingang zu den Uffizien.
Dieses von Vasari gestaltete Gebäude war im Auftrag von Cosimo dem 1. für die Unterbringung der Ämter der herzoglichen Ministerien gedacht. Heute befindet sich in diesen Räumen eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt, gegründet durch die Familie Medici. Die Sammlung wurde 1765 als erste unserer Zeit einem breiten Publikum geöffnet und für jedermann zugänglich gemacht.
In den verschiedenen Sälen wurde uns vor ausgesuchten Bildern die Entwicklung der Malkunst im wahrsten Sinne des Wortes bildlich dargestellt. Die byzantinische Malerei war noch nicht naturgerecht, die Körper wirkten noch sehr steif. Cimabue malte bereits natürlicher, Giotto schon sehr genau. Helldunkel-Kontraste wurden ebenso wie das Fließen der Gewänder und Bewegungen der Figuren erkennbar. Fabriano zeigt exotische Tiere, die seiner Vorstellung entsprangen aber häufig nicht der Wirklichkeit, da er sie nach Beschreibungen versuchte nachzumalen. Bei Piero della Francesca wird die Physiognomie des Menschen schonungslos dargstellt, der Hintergrund zeigt Landschaften.
Boticelli führt uns sieben Tugenden vor und zeigt uns seine Vorstellung der Geburt der Venus. In seinem Bild „Der Frühling“ hat jede Blume und jede Frucht eine besondere Bedeutung. Er bringt sich selbst, seinen Bruder und seinen Auftraggeber mit ins Bild.
Leonardo da Vinci faszinierte uns in seiner Anbetung der „Heiligen Drei Könige“ besonders durch den unvollendeten Zustand des Bildes. In seiner „Verkündigung“ sind die Figuren sehr fließend dargestellt, ein perspektivischer Fluchtpunkt ist bereits zu erkennen.
Dürer und Cranach zeigen uns „Adam und Eva“. Wir bewunderten die „Heilige Familie“ gemalt von Michelangelo. Auffällig ist die sehr muskulöse Darstellung der Protagonisten sowie der üppige Faltenwurf der Kleidung. Die nackten Figuren im Hintergrund sollen daran erinnern, dass jeder Mensch nackt zur Welt kommt.
Wir verharrten vor dem Selbstbildnis von Raffaello Sanzio, dann vor seinem Bild von Papst Leo dem X. aus der Medici Familie, das wohl größte Meisterwerk seiner letzten Jahre.
Begeistert waren wir von der „Venus von Ubino“. Wir konnten nichts Anstößiges an diesem Bild von Tizian finden.
Im Saal der Niobe standen wir vor einem sehr großen Gemälde von Rubens, gemalt für Maria von Medici, der Königin von Frankreich. Es zeigt die Schlacht von Heinrich dem IV.; Paris ist eine Messe Wert.
Vor dem impressionistischen Bild von Rembrandt verabschiedeten wir uns von Simona. Es lockte nun das Museumscafé oder ein Ausflug zu weiteren Kunstschätzen.
Mich lockte die Kuppel des Doms. Nach einer halben Stunde Wartezeit und 463 Stufen hatte ich einen herrlichen Rundblick über die Stadt. Einen Wettbewerb für den Bau der Kuppel mit 45 Metern Durchmesser gewann 1420 Filippo Bruneleschi. Er errichtete das Gebäude ganz ohne die üblichen Armierungen, sondern mit einem „Fischgrätensystem“ von ineinander gefügten Steinen. Um noch mehr Halt zu erreichen, wurde die Kuppel doppelschalig gebaut.
Die Fresken im Innenraum, von Vasari 1570 begonnen, mit Szenen aus dem jüngsten Gericht sind nicht gerade besonders einladend. Da waren mir das Abendessen im Hotel um 19.00 Uhr und der anschließende Stadtgang wesentlich lieber.
Tief beeindruckt von dieser Reise und mit einem „Carpe Diem“ an alle Reisefreunde grüßen
Heidi und Dietrich Friehmelt

Toskana 08

Klausur

Toskana 08

Toskana 08

Toskana 08

Tagebucheinträge Fünfter Tag

Mittwoch, 10. September
5. Tag

Siena – Eine Stadt, in der der Mensch als Maß gilt

9.00 Uhr – der Bus ist voll besetzt – nein, nicht ganz voll; Eintrag ins Klassenbuch – Lackners fehlen.
Die Klimaanlage läuft bereits wieder auf vollen Touren, die Jacken werden angezogen, die Schals umgehängt, der Busfahrer fragt, ob Günter Törner kein Blut (Chianti) in den Adern hätte...
Als nun endlich Lackners den Bus erreicht haben, startet unsere Tour nach Siena.
Barbara, unsere Tagestourenbegleiterin, nimmt uns freudig in Empfang. Von ihr erfahren wir, dass Siena auf drei Hügeln zwischen den Flüssen Elsa und Arbia liegt. Die Stadt war bereits eine etruskische Siedlung und unter Cäsar Teil des römischen Herrschaftsgebietes. Über Jahrhunderte war die Stadt völlig unbedeutend, da fernab aller Handelswege und unlösbar scheinende Wassermangelprobleme; aber gegen Ende des 9. Jahrh. begann deren langsamer Aufstieg wegen der nahe gelegenen Frankenstrasse. Im 13. Jahrh. wurden Zisternen und ein 28 km langes Rohrleitunhgssystem zur Wasserversorgung gebaut. Frankenstrasse und das Lösen der Wasserprobleme führten dann zum Aufstieg der Stadt.
 Es wird erzählt, dass sich Senius und sein Bruder Aschius, Söhne des Remus, mit ihrem Onkel Romulus gestritten hätten und in das Gebiet Siena auf einem mythologischen „Palio Alla Lunga“ , einem Pferderennen auf lange Distanz, geflüchtet seien. Die Farben ihrer Pferde waren schwarz und weiß – die Farben der Stadt noch heute, zugleich auch die Farben für den extremen Charakter der Stadt. Sie hätten die Statue der Wölfin aus dem Apollotempel gestohlen und auf den toskanischen Hügeln aufgestellt, weshalb sie später Wappensymbol Sienas wurde, allerdings nicht rückwärtsgewand, wie die Statue in Rom, sondern geradeaus blickend. Siena erhielt von Rom das Römische Bürgerrecht. Bereits vor Augustus begann die Christianisierung.
Unsere erste touristische Station war das Santuario Cateriniano, eine der heiligen Katharina von Siena gewidmete Stätte, die sich uns als Gebäude zunächst nicht richtig erschloss, aber im Laufe der Stadtbegehung für uns noch an Bedeutung gewann.
Dieses Gebäude ist der im Jahre1347 als 24. Kind geborenen Caterina Benincasa gewidmet. Sie war Nonne, Mystikerin und Kirchenlehrerin. Schon mit sieben Jahren hatte sie ihre erste Vision – sie sah über dem Dach der Dominikanerkirche Jesus Christus sowie Apostel Petrus, Paulus und Johannes. Mit zwölf Jahren sollte sie verheiratet werden, weigerte sich aber und trat mit sechzehn Jahren gegen den Willen ihrer Eltern in den Dominikanerorden ein. Sie widmete sich intensiv der Pflege von Kranken und Armen, äußerte sich zu kirchlichen und politischen Fragen, hielt öffentliche Ansprachen in denen sie Kritik an Kirche und Politik verlauten ließ. Ihr Ruf verbreitete sich in ganz Europa; Menschen aus allen Ländern fragten sie um Rat, darunter selbst der Papst.
Weil sie des Schreibens und Lesens nicht mächtig war, diktierte sie ihrem vom Generalkapitel des Dominikanerordens zur institutionellen Kontrolle (Vorwurf des Ketzertums) zugeteilten Beichtvater, Berater und Dolmetscher Pater Raimund von Capua  Texte, von denen über 380 erhalten geblieben sind. Aufgrund deren Bedeutsamkeit als Zeitzeugnis und ihrer theologischen Dichte wurde ihr 1970  der Titel der Kirchenlehrerin zugesprochen. Sie war für ihre Zeit eine äußerst ungewöhnliche und Aufsehen erregende Frau.
Bekannte Zitate: „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“
„Dem Tapferen sind Glück und Unglück wie seine rechte und linke Hand, er          bedient  sich beider.“
Vor diesem Hintergrund erscheint uns das wenig strukturierte und pittoreske Gebäude des Santuario Cateriniano in einem anderen Licht.
Unser Weg führte uns nun weiter auf der Straße der Weisheit, an der die bereits im Jahre 1203 gegründete Universität liegt und die noch heute wegen ihrer medizinischen , juristischen und naturphilosophischen Fakultäten für Italien von großer Bedeutung ist, zum Monte die Paschi di Siena, einem der drei Hügel Sienas. Auf ihm liegt die älteste Bank der Welt – Monte dei Paschi di Siena. „Paschi“ ist ein altes italienisches Wort für „Weiden“. Die Bank nahm „Gebühren“ von den Schäfern, damit sie in der Maremma-Ebene weiden konnten. Dies waren, so Barbara, die Anfänge der Bank. Anfangs hieß die Bank noch „Monte di Pieta“ und verstand sich als karitative Einrichtung mit dem Ziel, den Schwächsten zu helfen, so der Wortlaut in der Gründungsurkunde
aus dem Jahre 1472. Bedeutsam für die heutige Zeit ist, dass 49 % der Bank der Stadt Siena gehören, was eine lukrative Einnahmequelle ist. Bis vor ca.15 Jahren war die Bank eine öffentlich-rechtliche Bank. Heute ist sie aufgeteilt in eine AG und eine öffentlich-rechtliche Stiftung, die sich weiterhin um wohltätige Zwecke kümmert. Das Geld steht Museen, Krankenhäusern, Schulen und Universitäten der Region zur Verfügung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Deutsche Bank am Kauf der Zweigstellen der Bank interessiert ist und dass die Bank bis heute keine Schulden gemacht hat.
Unser Weg führte uns nun weiter zum politischen Zentrum der Stadt – dem Piazza del Campo, an dem der Palazzo Publico (jetzt das Rathaus) liegt. Es ist das älteste Rathaus Italiens, das bis heute seine ursprüngliche Funktion bewahrt hat. Baubeginn war das Jahr 1297. Beeindruckend war, dass der muschelförmig angelegte Platz und die darum erbauten Gebäude eine farbliche Einheit bildeten – gebrannte Siena. Er besteht aus neun Segmenten, eine Anlehnung an die damalige Regierungs-form „Il Monte dei Nove“ (Konzil der Neun). Hier wurde uns von Barbara Geschichte und Neuzeit der Stadt lebendig zusammengeführt, als sie uns sehr emphatisch vom Palio alla Lunga erzählte, der uns ja schon einmal bei der Gründungsgeschichte Sienas begegnete. Die Stadt besteht aus drei Terzi in denen 17 Contraden zusammengefasst sind, die nach ihren Wappentieren benannt sind. Diese Contraden sind Gegner beim Palio, dessen Ursprung noch vor dem Jahr 1310 zu liegen scheint. Eindrücklich beschrieb sie den Kampf des Stachelschweins gegen die Giraffe, das gut zur Gans aber verfeindet mit der Raupe ist. Die Emotionen kochen. Kommen noch Einhorn, Schnecke, Wölfin, Eule, Adler, Tal des Widders, Schildkröte und der Turm  mit ins Spiel und wehe, man steht als Contrademitglied in der falschen Gruppe, kann das fatale Folgen für die betreffende Person haben. Diesen Palio verstehen die Sieneser als Metapher für die Geschichte vom Leben. Erfüllen doch die Contraden im realen Leben viele Zwecke. Sie kümmern sich um die Renovierung der Stadtteile, pflegen bedürftige Menschen, vergeben Arbeitslosen vorübergehend Arbeit. Sie sind Bezirke der sozialen Agregation. Aufgrund dieser Aktivitäten weist Siena die niedrigste Kriminalitätsrate Italiens auf (Stimmt – hier ging meine Tasche nicht verloren).
Nachdem wir uns von dem emotionsbeladenen Palio wieder erholt hatten, stiegen wir auf zur höchsten Erhebung der Stadt, um den Dom zu besichtigen. Hierüber könnte man nun ein eigenes Buch schreiben, so fantastisch war schon die Eingangsfassade. Dies tun wir jetzt leider nicht, sondern freuen uns noch einmal an den herrlichen Intarsien auf dem Boden des Domes, die quasi als Bilderbuchgeschichte vom Weg von der Unwissenheit (Heiden) bis zur Weisheit und Erkenntnis für die des Lesens Unkundigen erzählen. In 52 Intarsien wurde der Boden von über 40 Künstlern über einen Zeitraum von ca. 200 Jahren (zweite Hälfte des 14. Jahrh. -  ca. 1550) mit der Darstellung biblischer Szenen versehen. Interessant für uns war, dass als Träger Kenntnis und der Weisheit Sokrates uns Crates  in den Boden eingearbeitet wurden. Die Aussage: ohne Kenntnis kann man keine Weisheit erlangen – das in einer katholischen Kirche, die für sich das „Wahrheitsmonopol“ in Anspruch nimmt, hat uns sehr erstaunt.
An diesem Punkt hat sich für uns der Kreis geschlossen. Siena präsentierte sich für uns als eine Stadt, in der der Mensch als Maß galt und gilt, die sparsam wirtschaftete und dies wohl auch heute noch  mit Bedacht tut.
Ach ja, flaniert sind wir natürlich auch noch! Haben leckeren Cappuchino genossen und Eis getestet, allerdings nicht aus der Eisdiele von Gianna Nanninis Bruder, der die Konditorei seiner Eltern in Siena führt, während seine Schwester durch die Welt singt.
Wolfgang und Christiane Herrmann

Tagebucheinträge Sechster Tag

Donnerstag, 11. September
6. Tag

Arezzo

Der morgendliche Blick aus dem Hotelfenster lässt wieder auf einen sonnigen, warmen Tag hoffen. Es ist 6.30 Uhr (!) - eine unchristliche Zeit zum Aufstehen im Urlaub, aber unser Reiseleiter hat angeordnet, dass wir heute ein “frühes” Frühstück einnehmen werden - was bleibt uns übrig als seiner Weisung Folge zu leisten?
Schon zehn Minuten vor der festgesetzten Abfahrtzeit, um 8.30 Uhr, steht unser “Giotto Bus” vor dem Hotel - da sage einer, die Italiener seien unpünktlich. Wie sollen wir das denn mit unseren Vorurteilen in Einklang bringen?
Am Ufer des Arno entlang fahren wir, Florenz verlassend, auf die Autobahn A 1 in Richtung Siena durch die wunderschöne toskanische Landschaft nach Arezzo, das wir gegen 9.30 Uhr erreichen.
An der Piazza Guido Monaco wartet Claudia, die uns heute durch Arezzo führen wird.
Auf dem Weg zur Piazza San Francesco überqueren wir den Corso Italia, heute Fußgängerzone mit interessanten und teueren Modegeschäften, im Mittelalter Teil der Stadtmauer. Claudia weist auf den “Septembermarkt” hin, der nach der Führung besucht werden kann, und gibt Tipps zum Sitzen und Essen für die Mittagspause.
Die schlichte Franziskanerkirche “San Francesco”, aus Sandstein erbaut, weil der Marmor, der die Kathedralen in Florenz und Siena schmückt, für die Bauherren unerschwinglich war, mit unvollendeter Fassade, beherbergt in der Hauptchorkapelle ein Meisterwerk der italienischen Frührenaissance. Piero della Francesca hat 1453 bis etwa 1459 die Geschichte vom Kreuz Christi in einem zehnteiligen Freskenzyklus dargestellt. Die Szenen, die auf die beiden Außenwände und die Stirnwand der Kapelle verteilt sind, werden von della Francesca nicht chronologisch, sondern thematisch aufeinander bezogen. Als erster Maler des Mittelalters wendet er die mathematische Perspektive an, bei der die Personen pyramidenförmig angeordnet werden. Seine Bilder zeigen kaum Bewegung, die Gesichter der Gestalten keine Gefühlsregung, weshalb ihn Andre Malraux den “Erfinder der Gleichgültigkeit” nennt.
Die Kreuzeslegende zeigt:
• Den sterbenden Adam, der seinen Sohn Seth zum Paradiestor schickt, wo er vom Erzengel Michael einen Zweig vom Baum der Erkenntnis erbittet, den er Adam in den Mund pflanzt.
• Die Königin von Saba betet das heilige Holz an auf dem Weg zu König Salomon, dem sie den Kreuzestod eines kommenden Erlösers prophezeit.
• Salomon lässt das Holz vergraben, das später vom Wasser wieder frei gespült wird.
• Mariä Verkündigung.
• Kaiser Konstantin dem Großen erscheint im Traum das Kreuz.
• Kaiser Konstantin siegt in einer Schlacht im Oktober 312.
• Kaiser Konstantin tritt zum Christentum über und schickt seine Mutter Helena nach Jerusalem, um das vergrabene Kreuz zu suchen. Der Levit Judas verrät  die richtige Stelle auf dem Berg Golgatha.
• Die drei Kreuze von Christus und den beiden Verbrechern werden auf Golgatha ausgegraben. Das richtige Kreuz kann daran identifiziert werden, dass es einen toten Jungen zum Leben erweckt.
Katholische und orthodoxe Kirche feiern am 14. September das Fest der Kreuzerhöhung.
• Helena lässt das Kreuz nach Jerusalem bringen. 300 Jahre später raubt es der Perserkönig, der 627 von Kaiser Herakleios besiegt wird.
• „Verherrlichung des Kreuzes“: Triumphzug des Herakleios am 21. März 628 nach Jerusalem, das Volk von Jerusalem betet das Kreuz an.
Die Figur des anbetenden Kaisers ist nicht mehr vorhanden. Die oströmischen Höflinge tragen zylinderförmige, griechische Kopfbedeckungen, die Piero möglicherweise 1439 anlässlich des so genannten „Konzils der Griechen“ in Florenz gesehen hatte.
Seine besondere Wirkung auf den Betrachter erzielt der Freskenzyklus durch das natürliche Licht, das durch das Chorfenster einfällt.
Von 1992 bis 1997 wurde das gesamte Werk, das infolge sachfremder Nutzung der Kirche, Erdbeben und statischer Probleme stark beschädigt war, aufwändig restauriert. Weitere, ursprünglich im Kirchenschiff angebrachte Fresken, gingen durch den Anbau von Seitenkapellen verloren.
Ein für das Mittelalter typisches potenziertes Kreuz, das sind fünf Kreuze in einem, zeigt Jesus mit geschlossenen Augen in S-Form am Kreuz hängend, wodurch Bauch und Beine in den Mittelpunkt der Gestalt gerückt werden.
Auf dem Weg von San Francesco zum Domplatz kommen wir am Haus des Guido Monaco vorbei, dem Erfinder des modernen Musiknotensystems, der als Chorleiter in Arezzo gewirkt hat.
Der Dom „San Agostino“ befindet sich gegenüber dem Rathaus und bildet so „einen Gegenpart zu diesem; weltliche und religiöse Macht rücken unmittelbar zusammen“ - philosophiert Claudia. Unter Papst Gregor, der in der Stadt eine Kathedrale mit Bischofspalast haben wollte, wurde 1272 mit dem Bau auf historischem Untergrund begonnen. Direkt über der etruskischen Stadt - Arezzo wurde von den Etruskern gegründet und war Teil des etruskischen „Zwölfstädtebundes“ - auf der dann die Römer und nach denen auch die Langobarden gebaut hatten. Die reichen Bürger Arezzos sind meist langobardischer Abstammung.
Bevor wir in den Dom gehen, müssen einige aus der Gruppe einen „Boxenstopp“ einlegen, den Claudia dazu nutzt, denen, die nicht müssen, eine blutrünstige Geschichte zu erzählen:
Es war im Jahr 304, in dem San Donato, der Schutzpatron der Stadt, exakt an dem Ort, an dem wir uns jetzt befinden, seinen Kopf verloren hat -  nicht im übertragenen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Der Kopf rollte nach dieser Aktion bis zum Marktplatz - auch eine Art von Zusammenrücken geistlicher und weltlicher Macht, oder?
San Donatos Körper wurde jedenfalls auf dem heutigen Domplatz begraben, so sagt die Legende.
Die Kathedrale wurde im gotischen Stil errichtet. Die aus Sandstein gebaute Fassade ist allerdings neugotisch.
Della Francesca hat etwa um 1459 eine Madonna für die Kirche geschaffen. Wie bei den Freskomalereien in San Francesco, handelt es sich auch bei ihr um eine geometrische Darstellung, die aufgrund der Perspektive wie eine Statue wirkt.
Die Gestaltung der Fenster stammt von manieristischen Künstlern der Renaissance und ist im 15. und 16. Jahrhundert entstanden.
Deckenmalereien zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.
Fresken aus dem 13. Jahrhundert sind nicht mehr sichtbar, da sie durch die Orgel überbaut worden sind.
Nach einem Erdbeben wurde um 1796 eine Kapelle an die Kathedrale angebaut und mit einem Altar aus Marmor zu Ehren der Madonna versehen. Im 15.Jahrhundert geschaffene Bilder aus glasierter Tonerde, die einer bis heute existierenden Laienbrüderschaft gehörten, schmücken die neugotische Kapelle.
An den Domplatz schließt das ehemals römische Forum an, heute ein Park mit einem Denkmal für Petrarca.
Vom Platz weg führt der Gartenweg = Via dell Orto, in dem eine Geschichte Boccaccios spielt - mit der Quintessenz: Die aretinischen Männer sind dumm, die Frauen schlau. - Halt genau so wie im wirklichen Leben.
Hier steht auch der erste Palast der Medici, der heute die Stadtbibliothek beherbergt. Die Medici kamen nach Arezzo, nachdem die Stadt im 14. Jahrhundert ihre Macht verloren hatte und an Florenz gefallen war. Sie ließen die Stadtmauer und weitere Paläste errichten, schenkten der Stadt sonst aber kaum Beachtung. Die in Arezzo gefundenen etruskischen Schätze wurden von Cosimo nach Florenz gebracht, wo sie heute im Nationalmuseum zu sehen sind.
Wir erreichen nun die Piazza Grande, die von hübschen Patrizierhäusern umgeben ist. Unter einer Arkade gehen wir an einem Restaurant vorbei, vor dem eine Angestellte Nudelteig schneidet. Dass diese Szene unseren Appetit anregt, ist uns im Moment nicht bewusst, wird es aber um die Mittagszeit, denn ein Großteil der Gruppe trifft sich dort zu einem wunderbaren Mittagessen wieder.
Beim Überqueren der Piazza Grande wartet man ständig darauf, dass Roberto Benigni mit dem Fahrrad um die Ecke biegen muss - Szenen aus seinem mit dem Oskar ausgezeichneten Film “Das Leben ist schön” wurden auf diesem Platz gedreht. Der Versuchung, vor dem Haus, aus dessen Fenster nach der Aufforderung: “Maria, wirf den Schlüssel runter” der Haustürschlüssel geworfen wird, diesen Ruf erschallen zu lassen, kann ich nicht widerstehen. Aber wie zu erwarten war, bleibt er unerhört.
An der Piazza Grande befindet sich die nach San Francesco älteste und bedeutendste Kirche “Santa Maria della Pieve”. Pieve = Pfarrei oder Pfarrhaus bezeichnete eine mit besonderen Rechten versehene Kirche, z. B. dem Recht zur Taufe und Bestattung.
Die Kirche steht nicht mit der Fassade, sondern mit der Apsis zu dem abschüssigen Platz.
Der aus Sandstein errichtete Bau wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts begonnen und im 14. Jahrhundert fertig gestellt. Umfangreiche Restaurierungen erfolgten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.   
Der Campanile wird im Volksmund “Turm der 100 Löcher” genannt. Gemeint sind seine 40 Biforen - in Wirklichkeit also nur 80 “Löcher” - die sich in fünf Geschossen um den den 59 m hohen quadratischen Turm anordnen.
Die drei Portale der Kirche weisen einen reichen Skulpturenschmuck auf:
Im Bogenfeld über dem Mittelportal ist Mariä Himmelfahrt dargestellt, die Stirnseite des Rundbogens schmückten ursprünglich 12 Tafeln mit den allegorischen Monatsfiguren, von denen nur noch drei erhalten sind. Der Bilderschmuck erklärt sich aus der Tatsache, das Santa Maria della Pieve die Kirche des Volkes war, dem Erklärungen bildhaft gegeben werden mussten.
Die eigentlich dreischiffige Kirche wirkt aufgrund der hohen Bogenöffnungen zu den Seitenschiffen hin eher wie eine Hallenkirche. Wegen der wenigen kleinen Fenster, ursprünglich aus Alabaster, heute ohne Glasmalereien, wirkt der Innenraum sehr dunkel.
Das bedeutendste Kunstwerk in der Basilika ist eine um 1320 von Pietro Lorenzetti geschaffene Maria mit Kind zwischen den Heiligen Johannes dem Evangelisten, Donatus, Johannes dem Täufer und Matthäus.
Über einem Seitenaltar befindet sich in potenziertes Kreuz mit einem leidenden Christus.
Im Chorraum versucht Herr Törner, die Gruppe zum Singen eines Kanons zu animieren - es bleibt beim Versuch, aber Claudia fand ihn schön.
Mit der Besichtigung von Santa Maria della Pieve endet die Führung. Claudia begleitet uns noch bis zum Treffpunkt, wo wir am Nachmittag von unserem Busfahrer abgeholt werden, und verabschiedet sich dann. Die Zeit bis zur Rückfahrt steht zur freien Verfügung und wird, wie schon erwähnt, zum Schlemmen hervorragender Nudelgerichte, zum Eisessen, Kaffeetrinken, Besuch des Septembermarktes und Schlendern durch Arezzo genutzt.
Dieser wiederum sehr schöne und an vielen neuen Eindrücken reiche Tag findet seinen Ausklang in der engen, kuscheligen Hotelbar.
Gustav Rieß

Tagebucheinträge Siebter Tag

Freitag, 12. September
7. Tag

Im Programm der Toscanareise steht am 7. Tag ein Ausflug in das Chiantigebiet, das sich südlich von Florenz bis Siena erstreckt. Im Westen wird es grob durch die Autobahn Florenz-Siena und im Osten durch die Autobahn Florenz-Arezzo begrenzt.
Um 09:30 Uhr werden wir im Bus der Firma Giotti von der Reiseleiterin Patrizia begrüßt. Über die Fiale di Colle, eine als Dachpinienallee in den Jahren 1865-1871, als Florenz Hauptstadt Italiens war, angelegten Ringstraße, verlassen wir Florenz. Wir fahren am Katauserkloster von Florenz vorbei.
Der Orden der Katauser verbietet den Mönchen untereinander zu kommunizieren. Nur ein Mal in der Woche versammeln sich die Mönche zum gemeinsamen Gebet. Sonst lebt jeder streng voneinander getrennt in seiner Herberge. Das Kloster wurde für den Aufenthalt von 18 Mönchen errichtet. Heute leben noch 8 dort.
Auf der Autobahn fahren wir weiter in Richtung Siena und sehen an einem Hügel das Denkmal eines amerikanischen Heldenfriedhofs. Wir durchfahren die grüne Hügellandschaft des Chianti-Landes.
Das grüne Bild dieser Landschaft wird bestimmt durch den mediterranen Buschwald, die Weinfelder und die Olivenbäume an den Hängen der Hügel. Wald, Wein und Oliven bewachsen jeweils zu ca. 1/3 die Flächen. Der Wald ist ein Gemisch aus Stechpalmen, Steineichen, Stieleichen, Weißbuchen, Pinien und Zypressen. Er ist der Lebensraum für zahlreiche Wildschweinrotten.
Bei Monteveggoni verlassen wir die Autobahn in Richtung Radda über Castellina in Chianti. Radda ist ein typischer Weinort mit einem mittelalterlichen Ortszentrum. In Radda wurde 1924 die Winzergenossenschaft Marihio Storico Chianti Classico gegründet.
Nach kurzem Aufenthalt fahren wir zurück nach Castellina in Chianti. Dieses Städtchen im Zentrum des Chianti ist durch sein Winzerfest im Oktober weithin bekannt. An den Straßen findet man viele kleine Läden und Straßencafes.
Als ich mich für die Blumen und Bäume eines Gartens interessiere, erfahre ich die Gastfreundschaft der Bewohner. Von zwei unter einem Baum sitzenden Männern werde ich gefragt, woher ich komme. Nach meiner Antwort werde ich aufgefordert, mit am Tisch Platz zu nehmen und ein Glas Wasser zu trinken. Die Frau des Hauses bringt ein Glas und lädt mich ebenfalls zum Verweilen ein. Mit vielen Gesten und Zeichen mache ich ihnen klar, dass der Autobus auf mich wartet. Die drei verabschieden sich mit einem herzlichen Händedruck.
Über Panzano fahren wir nach Greve in Chianti. Hier ist die von Leonardo da Vinci gemalte Mona Lisa geboren. Greve ist der Hauptort des Chianti Classico. Der Marktplatz ist von Laubengängen umgeben. In zahlreichen Geschäften werden die Produkte des Chianti (Wein, Oliven, Steinpilze, Salami, u.a.) angeboten. Cafes laden zum Verweilen ein. Auf dem Marktplatz (Plazza) werden die Vorbereitungen für das am 14.09.2008 stattfindende Weinfest getroffen.
Zur Weinprobe fahren wir weiter zum Castello Verrazzano. Hier wurde der Seefahrer Giovanni da Verrazzano, der Entdecker der Bucht von New York, geboren. G. da Verrazzano ist ein kleines traditionsreiches Weingut. Die Jahresproduktion beträgt ca. 350 000 Flaschen. Erst bei einer Jahresproduktion von mehr als 1,5 Millionen Flaschen spricht man von einem großen Weingut. Neben der Weinerzeugung wird auch Olivenöl produziert. Zu dem Gut gehört ein 18 ha großer Olivenhain. Wir sehen hier die allgemein übliche Schlossstruktur: auf der höchsten Erhebung befindet sich das Schloss mit der Familienkappelle. Am Fuße des Schlosses sind kreisförmig die Bauernhäuser gebaut. Wir genießen aus dem Garten des Schlosses einen herrlichen Rundblick.
In einem besonderen Raum wird uns die Herstellung des Vino Santo (heiliger Wein) erklärt. Hierfür werden weiße Rebsorten verwendet. Die Reben werden auf Holzstangen gehangen. Der Restsaft der fast trockenen Trauben wird in der Weihnachtszeit ausgepresst und in Fässern mindestens 3 Jahre gelagert. Jedes Weingut stellt eine kleine Menge dieses süßen Weines her.
Nach einer Weinprobe, die natürlich zum Kauf der auf dem Weingut hergestellten Produkte animieren soll fahren wir über die Chiantigiana nach Florenz zurück. Vom Piazzale Michelangelo schauen wir auf die Stadt Florenz und genießen den herrlichen Ausblick.
Anbei noch einige Informationen, die uns die Reiseleiterin während der Fahrt mitteilte:
Wein, Oliven und Tourismus sind die bedeutensten Wirtschaftszweige des Chianti-Landes.
Wein
• Die Zentraltoscana ist das Anbaugebiet des Chianti-Weines. An Hügeln bis zu 550 m ü.d. Meer liegen seine Anbauflächen. Seit 1860 besteht eine verbindliche Rezeptur für den Chianti. Danach besteht er aus 80% Rotwein und 20% Weißwein. Die weißen Weinsorten heißen Trebbiano Toscana und Malvasia del Chianti, die roten Weinsorten heißen Sangiovese und Canaiolo nero.
• Die dominierende Rebsorte ist die Sangiovese. Im Chianti ist sie zu mindestens 75% und im Chianti Classico zu 80% enthalten.
• Der Chianti Classico ist ein autonomer Wein mit eigenen Produktionsvorschriften, dem seit 2006 kein Weißwein mehr zugesetzt werden darf. Der Chianti wird ab dem 01. März, der Chianti Classico ab dem 01. Oktober des der Weinlese folgenden Jahres auf den Markt gebracht.
• Der schwarze Hahn auf den Weinflaschen ist das Markenzeichen des Chianti-Classico. Das Zeichen wurde 1924 von der Winzergenossenschaft in Radda eingeführt.
• Der Chianti bekam 1967 die Bezeichnung DOC als Hinweis auf kontrollierte Herkunft. 1984 wurde diese Bezeichnung auf DOCG erweitert. Sie steht für kontrollierte garantierte Herkunft. Die Bezeichnung Riserva bedeutet beste Qualität. Die Lagerung der so bezeichneten Weine beträgt mindestens 24 Monate.
• Die Weinproduzenten sind in Genossenschaften zusammengeschlossen. Diese Winzergenossenschaften sind keine Produktions- und Vertriebszusammenschlüsse, sondern mehr Technologiezentren für Anbau-, Behandlungs-, Ernte- und Keltereitechnik.
Oliven
• Oliven werden von Hand gepflückt und über Genossenschaften verarbeitet.
• Die Olivenbäume wachsen an Hängen bis zu 500 m ü.d. Meer. Temperaturen unter -2 C über mehrere Tage lassen die Bäume eingehen. Im Jahr 1985 erfroren von 20 Millionen Olivenbäumen 15 Millionen.
• Das Durchschnittsalter der Bäume beträgt 250 Jahre. Bis zur lohnenden Ernte wird ein Baum 10 Jahre alt. Aus 10% der Blüten werden Früchte. Die Erntezeit dauert von Oktober bis März.
• Die Farbe der Oliven (grün, braun, schwarz) hängt von der Reifezeit am Baum ab.
• Für 1 Liter Olivenöl sind 12 kg Oliven erforderlich.
• Frantoio, Loccino, und Moraiolo sind die wichtigsten Ölbaumarten.
• Olivenbäume vermehren sich nicht auf natürliche Weise, sondern nur mit Hilfe des menschlichen Eingriffes.
Arbeitsfolgen der Olivenölgewinnung
• Oliven werden zu Brei gemahlen
• Der Brei wird auf Kokusmatten in 2-3 cm Schichthöhe ausgebreitet
• Auspressen der beschichteten Matten. Die gewonnene Flüssigkeit besteht aus Öl und Wasser
• Trennen des Öls vom Wasser durch Zentrifugen. Das gewonnene Öl ist jungfräulich
• Natives Olivenöl ist immer kalt gepresst. Es ist warm gepresstem vorzuziehen, da durch Erwärmung wichtige Inhaltsstoffe verloren gehen.
• Olivenöl ist ein Gesundheitselxier, das gegen Cholesterin und Bluthochdruck wirkt
Halbpachtsystem
Die Schlossherren verpachteten Ländereien an Bauern, deren Betriebe (Faktorias) um das Schloss angesiedelt sind. Die Hälfte der Erträge mussten an den Schlossherren abgeführt werden. Die andere Hälfte war Eigentum der Bauern. Sie waren somit Pächter und Angestellte zugleich.
Rationalisierung und internationale Konkurrenz bewirkten, dass immer weniger Bauern Arbeit behielten. Geld für Landerwerb hatten sie nicht. Sie verließen ihre Häuser und zogen in die Stadt. Die Gutsherren behielten das Schloss und nur noch wenige Bauern. Die freien Bauernhäuser wurden verkauft und sind heute oft im Besitz ausländischer Investoren. Dieser Prozess setzte 1960 ein und ist jetzt abgeschlossen.
Einen wesentlichen Anteil am Gelingen dieses erlebnisreichen Tages hatte unsere Reiseleiterin Patrizia. In sehr gutem, akzentfreiem Deutsch hat sie uns das Chiantiland nahegebracht.
Erich Trachte

Tagebucheinträge Achter Tag

Samstag, 13. September
8. Tag

Toskana
Radda, Greve, Castello di Verrazzano

Toskana für Anfänger  - der letzte Tag
Hallo – erinnern sie sich noch an mich?
Nylon, Titan Nylon –
Flugbegleiter in Diensten der Familie Hirdes.
Vor einer Woche war ich mit einer Reisegruppe der Getsemane Kirche aus Baunatal in die Toskana gefahren und hatte mich unsterblich in eine Mitreisende verliebt.
Durch unglückliche Verwicklungen wurden wir in Köln jäh aus unserer beginnenden Zweisamkeit gerissen und erst am nächsten Vormittag sah ich sie in Florenz wieder.
Ziemlich frustriert erzählte sie mir, dass Sie von Ihrer Besitzerin per Zubringerzug in die Innenstadt von Köln verschleppt wurde um sich Dom, Gürzenich und allerlei an-dere „must bee“ Objekte anschauen zu müssen.
Längere Zeit verbrachten Sie eigentlich nur in einem der Brauhäuser am „Alter Markt“ von dem sich der Begleiter der meiner neuen Bekannten nur schweren Her-zens losreissen konnte, so das man den Flug um  zwanzig Uhr  nur knapp erreicht hätte.
Zum Glück ging der Flieger dann aber sowieso, mit Verspätung, erst um neun Uhr abends Richtung Pisa ab.
Bei der Ankunft im Hotel in Florenz hatte dann der neue Tag bereits begonnen.
Trotz dieser Strapazen  sah Sie aber immer noch anbetungswürdig aus.
Leider erzählte Sie mir aber dabei auch von dem Lederakten-koffer mit dem sie seit Jahren in Baunatal zusammen lebt.  
Wie eine Seifenblase zerplatzten alle meine Träume.
Aber das Schicksal meinte es trotzdem gut mit mir.  
Ich bin verliebt !!
Und das kam so.
Unser Lederrucksack, meine Adoptivschwester,  löste sich ob der enormen Belastungen nach und nach auf, und der Dicke sah sich genötigt, zur Aufrechterhaltung des ehelichen Friedens, mit unserer Heidi eines der Lederfachgeschäfte in Lucca aufzusuchen.
Und dabei haben wir SIE entdeckt.
Schwarzes Leder, chromfarbene Beschläge und zwei Griffe die sich elegant an ihre Seiten schmiegen.
Eben eine echte Italienerin.
Bereits die erste Nacht haben wir gemeinsam im  Hotel verbracht.!!!!
Auf dem verspiegelten Schreibtisch vor dem großen Wandspiegel. Es war einfach traumhaft – wenn sie verstehen was ich meine.
Heute Morgen bei der Abfahrt hat sie mir dann zugeflüstert dass wir uns bald schon auf eine kleine Handytasche freuen dürfen.
Sonst war die Rückfahrt aus Florenz eigentlich fast ohne besondere Vorkommnisse.
Der Fughafen von Pisa war sonntäglich gut gefüllt und hatte das Aroma einer Kreis-Klassen-Umkleidekabine am Ende eines Thekenmanschaft-Fussballturniers.
Für nur wenige hundert Euro konnte man dort  knapp soviel Nahrung erwerben dass man beinahe den gröbsten Hunger stillen konnte .
Wer einen eigenen Sitzplatz in der Wartezone erobert hatte sah sich genötigt diesen mit allen zur Verfügung stehenden fairen und unfairen Mitteln zu verteidigen.
Pünktlich startete die Maschine vom regennassen Flugplatz und in nur 75 Minuten hatten wir Köln bereits wieder erreicht.
Dann standen wir vor der Ankunftshalle.
Alle waren da - auch die Reisenden ....   nur kein Bus.
Besorgte Blicke die Auffahrt hinab, auf die Parkplätze hinüber und sogar in die Parkhäuser hinein brachten keine Aufklärung.
Verdammt verdutzte Minen gab es als zwei Miniatur-Schulbusse mit Anhänger vor uns bremsten.
Zwei Busse – alle atmeten auf – zwei Busse bedeutet zwei Gruppen.
Es bleibt also alles beim Gewohnten.
Keine Umgewöhnung notwendig.
Übrigens  es ist  kein Scherz – Kleinbusse mit Platz für insgesamt 26 Personen. Inklusive Fahrer versteht sich.
Die Reisegruppe sind 25 , die Fahrer zwei – selbst unser Ex-Mathelehrer Helmut konnte unter Berücksichtigung von Pythagoras, Sinus, Tangens dem Mondkalender und unter Zuhilfenahme aller Finger nichts zur Lösung dieses Problems beitragen. Es fehlte ein Platz!
Durch den unkonventionellen Einsatz eines, schwachgepolsterten, Klappstuhls als Notsitz für Sabine wurde dann eine machbare Lösung gefunden.
Sie wurde in der Mitte des Gangs platziert, auch um im Eventualfall den Dicken der frei hinter ihr saß, abzubremsen.
Alles ging jedoch gut und am frühen Abend sagten wir uns alle Tschüss – der Kunstlederkoffer, die Trolleys, die Rucksäcke, die noblen Lederausführungen  und der Schminkkoffer.
Toskana ist super.
Ende.
Zu verschenken!
Umhängetasche aus Nylon, handgepäcktauglich.
Wenig gebraucht, umständehalber sofort abzugeben.
Später keinesfalls Rückgabe möglich.

Heidi und Hans-Joachim Hirdes